MM: Saskia, Glückwunsch, du bist zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt worden, wie kam es dazu?
Ich wurde von mehreren Kollegen*innen angesprochen, ob ich nicht daran interessiert wäre, mich für die nächste Wahlperiode für den Betriebsrat aufstellen zu lassen. In die Betriebsrat-Arbeit war ich seit jeher eigentlich schon immer interessiert, muss aber ehrlich sagen, dass ich zunächst doch mit mir gehadert hatte: Es bedeutet schließlich mehr Arbeit und die Frage stand für mich immer im Raum, ob ich den Spagat zwischen meiner Tätigkeit in der Buchhaltung und Betriebsrat hinbekommen würde. Letztendlich konnte ich mich aber dazu durchringen und habe den Schritt gewagt und wurde auch zum Glück gewählt, womit ich nicht gerechnet hätte, da ich schließlich erst seit etwa vier Jahren in der Siempelkamp Giesserei GmbH angestellt bin. Ich kann aber sagen, dass ich diesen Schritt nicht bereue.
MM: dein Berufsweg war nicht ganz gradlinig, welche Etappen hast du genommen?
Mein Berufswegweg war in der Tat tatsächlich etwas unorthodox: Nach meinem Abitur habe ich mein Traumstudium im Bereich der Ägyptologie / Antike Kulturen Altvorderasiens und Arabisch-Islamischer Kultur begonnen und das auch fünf Semester durchgezogen. Ich hatte mich dazu entschlossen, dies komplett abzubrechen, brauchte danach aber schnellstmöglich einen Job. Ohne eine jegliche weitere Ausbildung bin ich in den Einzelhandel im Textilbereich gegangen, da ich hier durch einen Nebenjob bereits Erfahrung hatte und man in diesem Bereich eh schnell Fuß fassen kann. Nach etwa neun Monaten kam schon die erste Beförderung als Store Managerin für die Filialen in Krefeld und Düsseldorf. So kam ich dann auch an den schönen Niederrhein.
Nach einigen Jahren in diesem Tätigkeitsbereich merkte ich aber, dass die Anforderungen, die Fülle an Arbeit und der Verantwortungsbereich mit jedem Jahr immer exponentiell anstieg (der Wandel im stationäre Einzelhandel in den letzten zehn Jahren war deutlich zu spüren), sodass ich 2020 eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement anfing und 2022 erfolgreich abgeschlossen habe. Somit hatte ich dann endlich auch eine abgeschlossene Berufsausbildung und freue mich, seitdem hier in der Buchhaltung arbeiten zu dürfen.
Mm: Was waren deine wichtigsten beruflichen Erfahrungen?
Als Filialleitung im Einzelhandel konnte ich mich in vielen Bereichen weiterentwickeln und hatte auch eine große Verantwortung für meine Mitarbeiter. Allerdings waren wir bei diesem Arbeitgeber nie gewerkschaftlich aufgestellt und somit gab es auch nie einen Betriebsrat. Man war sprichwörtlich der Willkür des Arbeitgebers ausgeliefert. Weder ein Tarif, noch die Einhaltung der Rechte eines jeden Arbeitnehmers oder gar irgendeine Unterstützung waren gegeben. Einer solchen Willkür wollte ich nicht mehr ausgesetzt sein.
Umso erfreulicher war es, dass ich im Zuge meiner Umschulung ein sechs-monatiges Praktikum in der bei der IG-Metall in der Geschäftsstelle Krefeld durchführen konnte. Hier konnte ich einiges bezüglich der gewerkschaftlichen Arbeit lernen und durfte auch in die Betriebsratsarbeit speziell in der Siempelkamp Giesserei einige Wochen reinschnuppern. Von den Sitzungen, Erarbeitung von neuen oder alten Betriebsvereinbarungen bis hin zu den Aufgaben in einzelnen Ausschüssen durfte ich kennenlernen, wie das Amt im Betriebsrat von statten geht. Daher erkannte ich auch schnell, dass es auch anders gehen kann: Es war für mich ein himmelsweiter Unterschied zwischen meinem jetzigen Unternehmen und meinem alten Unternehmen erkennbar und ist es auch noch.
MM: Wie sieht dein Startplan in den BR aus, was nimmst Du dir vor?
Mir ist klar, dass ich als „frisches“ Mitglied im Betriebsrat noch einiges für meine BR-Arbeit zu lernen habe, gerade in arbeitsrechtlichen Grundlagen. Diese Herausforderung nehme ich gerne an und hoffe auch, dass ich mein Wissen stetig erweitern kann, um so optimal für meine Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen kann. Ich möchte für die Perspektiven und Interessen der Beschäftigten einstehen und möchte mich insbesondere in den sozialen Belangen stark machen und hoffe, dass ich das in den kommenden vier Jahren auch gut umsetzen kann.